Clemens Hollerer - Der Mann für den Bruch

Datum (09.Feber.2017), Design

Der Mann für den Bruch

Das Wiesler ist um ein Kunstwerk reicher. Wer die Augen beim Betreten des Foyers aufsperrt und nicht hungrig in Richtung Speisesaal oder müde in Richtung Zimmer schaut, sondern den Blick leicht zur Decke neigt, der sieht schon: Da ist was los. Wir haben den Künstler Clemens Hollerer, der für diese Installation verantwortlich ist, in seinem Atelier in der Nähe von Bad Gleichenberg getroffen.

 

Merkendorf ist die Definition eines Kaffs. Von Gleichenberg kommend, biegt man links ab und sobald man die Tiefkühlanlage aus dem Jahr 1958 erreicht hat, sieht man schon einen Vierkanthof, an dem offensichtlich gearbeitet wird: Das Atelier von Clemens Hollerer ist „work in progress“. Seit 2013 wird hier gebaut, aber in den ehemaligen Lagerräumen, Stallungen und Wohnräumen sieht es schon sehr „artsy fartsy“ aus.

 

 

 

 

Künstler und Sammler

Das Klo heißt „eau de toilette“, der Ausstellungsraum/das Atelier ist lichtdurchflutet und mit Holzteilen des ehemaligen Dachstuhles konstruiert. Bald wird eine Edelstahltreppe in den ersten Stock folgen und überall sind Eames-Stühle angesiedelt: gelb, khaki oder rot. Hollerer liebt sie alle, Hauptsache sie sind vintage. Gerade ist er von einem Ausstellungsaufbau in Holland zurückgekommen und hat dabei auch einen Stopp beim größten Flohmarkt Belgiens gemacht, wo er sich einige Gustostückerln für sein Atelier gesichert hat. Playmobilfiguren, Konzerttickets aus aller Welt, reduzierte Custom-Möbel, Fotografien und Typo-Poster: Dieser Mann ist neben Künstler auch Sammler des Besonderen.

 

 

 

  

Querdenker unter sich

Es war das Jahr der Kulturhauptstadt, als Clemens Hollerer die Wege von Florian Weitzer das erste Mal gekreuzt hat. „Er ist für mich ein Querdenker und kann auch nie Ruhe geben. Er erinnert mich in vielen Punkten an mich selbst,“ sagt Hollerer, der über Umwege auf die Kunst gekommen ist. In der Stahlstadt Kapfenberg geboren, wusste er nach dem Gymnasium eigentlich nicht so recht, was er nun mit sich tun sollte. Zuerst ging es nach Pittsburgh in die USA, danach zur Tourismusschule in Gleichenberg. Viele Jahre im Service brachten trotz vielen positiven Einflüssen, wie der Liebe zum Essen und ein grundsätzlich großes Interesse für guten Wein und hervorragende Küche doch zu viel Routine ins Leben. Clemens Hollerer musste ausbrechen. Zuerst auf die Prager Fotoschule, wo er sich schnell auf das Zerkratzen von Fotos und Dias einschoss.

 

 

Konstruktion & Dekonstruktion

Schnell wurde ihm auch das Fotoformat zu klein und er bewarb sich am HISK - Higher Institute for Fine Arts in Belgien. Viel künstlerischer Austausch und Künstler wie Blinky Palermo und Gordon Matta-Clark waren Inspiration und Ansporn zugleich. Was man teilweise auch in seinen Installationen sehen kann: Baustellen und generell die Konstruktion und Dekonstruktion stehen im Fokus von Hollerers Arbeiten. „Wenn ich eine Stadt sehe, dann zieht es mich wie magisch zu einer der Baustellen. Ich habe zuhause ein endloses Archiv an Baustellendetailfotos. Hier entsteht etwas aus einer Zerstörung heraus. Das fasziniert mich,“ erklärt er. So wurde der Bruch sein Markenzeichen. Gemeinsam mit den Musiktiteln: Jedes seiner Kunstwerke trägt den Namen eines Songs. Die Wiesler-Installation heißt etwa „Jigsaw falling into Place“. „Diesen Titel von Radiohead habe ich gewählt, weil Puzzlesteine in der Neuformation des Wiesler eine entscheidende Rolle spielen, ähnlich wie bei der Konzeption meiner Projekte."

 

 

 

 

 

 


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im Zimmer Nr. 101 des Wiesler. Es gibt viele traditionsreiche Hotels auf der Welt. Das Wiesler gibt es seit 1909. Aber Jahreszahlen sind uns egal. Was zählt ist, wie man die Zeit verbracht hat. Das ist unsere Philosophie mitten in Graz und auch hier in diesem Blog. Im Wiesler geht es um Leidenschaft. Um Einfachheit. Um Internationalität. Und um die Liebe zum Detail. Wir wünschen einen inspirierenden Aufenthalt.

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