Meeting Little Miss Dids

Datum (25.April.2012), Cuisine

 

Eine smarte Lady mit amerikanisch-südtiroler Wurzeln, die in London nicht nur gern den Kochlöffel schwingt, sondern auch darüber schreibt, dass einem das Wasser im Mund zusammenrinnt, heißt eigentlich Jenna Leiter. Wir haben sie uns mal vorgeknöpft und plaudern mit ihr frei über Gelüste, Geschmack und ihren Blog Little Miss Dids.


Du bist aus Südtirol, hast länger in Wien gelebt und bist heute in London. Erzähle ein bisschen was von deinem bewegten Leben & wie die Idee zum Blog entstanden ist.

Ich bin in einem kleinen Vorort von Boston geboren – meine Mutter kommt aus NYC, mein Vater ist Südtiroler. Als ich vier Jahre alt war, sind wir nach Südtirol gezogen und ich bin in Bozen aufgewachsen. Nach der Matura wollte ich ins Ausland gehen und hab beschlossen nach Wien zu ziehen, um Anglistik zu studieren. In Wien musste ich zum ersten Mal für mich selbst kochen, und da bin ich schnell draufgekommen, dass Kochen mit Freunden viel mehr Spaß macht. Also haben meine Freunde und ich immer wieder Kochabende organisiert - lustige, köstliche und lange Abende, mit einem Fläschchen Wein – und somit hat sich meine Leidenschaft fürs Kochen entwickelt.


Im letzten Jahr meines Studiums, als ich meine Diplomarbeit geschrieben habe, habe ich das Schreiben immer aufgeschoben und stattdessen Food Blogs, Zeitschriften über Essen und Kochbücher gelesen; statt an einem Kapitel zu arbeiten hab ich gekocht, bzw. nachdem ich endlich weitere 1000 Wörter geschrieben hatte, hab ich mich und meine Freunde mit einem Rhabarberkuchen belohnt. Aber auch dann hatte ich ein schlechtes Gewissen – eigentlich sollte ich nicht vor dem Herd stehen, oder den Artikel über dieses neue Kaffeehaus lesen, sondern an meiner Arbeit schreiben.


Nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte, habe ich kurz mit dem Gedanken gespielt ein Doktoratsstudium anzuschließen und in die Forschung (Sprachwissenschaft) zu gehen. Aber ich wusste, dass ich eigentlich lieber Sachen übers Essen lesen würde und lieber vor dem Herd als vor dem Schreibtisch stehen würde. Ich wollte nicht ständig ein schlechtes Gewissen haben. Also habe ich beschlossen, mein Hobby zu meinem 'Beruf' zu machen. Ich habe den Blog gegründet, um eine 'Ausrede' zu haben, Kochbücher, Zeitschriften über Essen usw. zu lesen, Gerichte zu perfektionieren, und das Schreiben zu üben. Ein paar Monate später habe ich mich auf eine Kochschule in Großbritannien eingeschrieben. Seit September 2011 besuche ich die Leiths School of Food and Wine in London.

 


Du bist eine Weltreisende, hast viele Länder gesehen und geschmeckt. Wo ist deine kulinarische Heimat & warum?

Ich muss zugeben, dass mir das Essen zuhause immer noch am besten schmeckt. Vielleicht muss man das als Südtirolerin auch sagen? Aber für mich steht die Südtiroler Küche vor allem für saisonale Gerichte aus einheimischen Produkten, die einfach und gut zubereitet werden. Es gibt fast nichts Schöneres als eine Sonntagswanderung, die in einer Berghütte endet, wo alles, was man serviert bekommt, vom Hof stammt. Die Südtiroler Küche passt zu meinem Kochstil – unkompliziert, lokal, saisonal.


Gleichzeitig muss ich sagen, dass ich bis jetzt in jedem Land, das ich besucht habe, gut gegessen habe. Man muss nur wissen was und wo bestellen. Bevor ich irgendwohin fahre, informiere ich mich über die Spezialitäten des Ortes, und wo man diese besonders gut essen kann (das kann auch gerne ein Imbissstand an der Straßenecke sein). Danach 'plane' ich die Reise um diese Orte herum. Meine Quellen sind meistens die Seiten von Bloggern des Ortes, oder Foren im Internet, Reviews usw. Oft frage ich auch noch Einheimische vor Ort. Es ist erstaunlich, wie viel und wie gut man ein Land durch sein Essen kennenlernen kann.


Und zu guter Letzt - so gut die 'Schlutzer' in Südtirol auch sind, wenn ich zuhause bin vermisse ich u.a. das Wienerschnitzel vom Landtmann in Wien, die Münchner Laugenbrezel, die Beef and Ale Pies der Londoner Pubs, eine Portion Fish & Chips vom verrückten Typ in George's Street Arcade in Dublin, die indischen Sev Puris, die cremige Trüffelpasta der Mondo Konoba in Motovun, den Hot Dog im Central Park und die Bagels von Ess-A-Bagel in NYC, und das Brot – das beste Brot das ich je gegessen habe – von Cindy's Backstreet Kitchen, St. Helena, Kalifornien. Ach... ich will schon wieder weg!!

 

Welches Gericht hast du vermutlich am öftesten gekocht?

Es mag komisch klingen, aber ich koche selten zwei Mal das Gleiche. Es gibt so viele Gerichte die ich ausprobieren möchte, da will ich mich nicht wiederholen! Aber ich koche sehr gern verschiedene Risotti. Ich finde das ständige Rühren sehr entspannend und das Endresultat ist jedes Mal ein bisschen anders, aber macht glücklich!

 

 

Deine Lieblingszutat? (Das muss einfach überall rein!)

Ich sag schon öfters – all good things start with an onion – alle guten Dinge fangen mit einer Zwiebel an. Ich verwende Zwiebel fast überall; sie kommt in die einfache Tomatensoße, ins Olivenbrot und in die Füllung einer Quiche rein. Und eine Pizza ohne Zwiebel? Das geht gar nicht. Eine Zwiebel ist zwar eine bescheidene, aber sehr vielseitige Zutat. Karamellisiert mit Ziegenkäse auf eine Tarte? Oder geschmort in den Speckknödeln? Eingelegt als Garnierung für Carnitas? Und wenn der Kühlschrank leer ist und man nur mehr eine Zwiebel hat – Zwiebelrisotto hat auch was!


„Life consists of eating and some hours inbetween“ ... was sagst du zu deinem „Leitsatz“?

Diesen Satz hab ich vor ein paar Jahren in mein „Über mich“ auf Facebook geschrieben. Ich finde, er beschriebt mich ziemlich gut. Dabei meine ich nicht strikt „eating“ - ich esse tatsächlich nicht den ganzen Tag durch ;-) - sondern kochen/Essen/über Essen reden/schreiben/lesen. Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht mit Essen beschäftige. Wenn ich nicht am Kochen bin, lese ich Food Blogs, wenn ich nicht am Lesen bin, dann rede ich vielleicht über meine neueste Entdeckung – der französische Käseladen an der Ecke mit den unglaublich guten, belegten Baguettes.

 

Liebe geht durch den Magen – was würdest du jemandem kochen, der sich Hals über Kopf in dich verlieben soll?

Ich würde ihn zum Brunch einladen, denn ich finde, es gibt nichts Schöneres als mit einem guten, gemütlichen Brunch ins Wochenende zu starten. Wir könnten zusammen den Stress der Woche vergessen und, wenns hinhaut, den ganzen Sonntag auch noch zusammen verbringen. ;-) Außerdem glaube ich, dass ich mittlerweile die meisten Brunch-Gerichte gemeistert habe!


Stell dir vor: ein herrlich warmer Tag, der Tisch draußen im Garten schön gedeckt, mit allen möglichen Aufschnitt, selbstgebackenem Brot, frisch gepresstem Orangensaft. Anbieten würd ich ihm meine Blaubeerpfannkuchen, belgische Waffeln, Bananenbrot und natürlich eine Auswahl an Muffins. Als salzige Alternativen wären auch Mini-Bruschette, eine Polenta, Speck und Pilze Tart, Eggs Benedict. Das schöne am Menü ist dass ich außer den Eggs Benedict alles schon im Voraus machen könnte und nicht in der Küche stehen müsste – außerdem kann man fast alles was übrig bleibt gut einfrieren oder am nächsten Tag essen. Somit könnten wir beide stundenlang im Garten sitzen, brunchen, reden, Sonne tanken. Am späten Nachmittag wären wir satt, zufrieden und hoffentlich verliebt. ;-)

 

Bist du ein Alles-nach-dem-Kochen-Wegräumer oder eher ein Ich-lass-alles-stehen-und-genieße-Typ?

Eigentlich versuch ich ein 'Aufräumen-während-des-Kochens'-Typ zu sein. Im Idealfall wäre die Küche sauber, wenn das Essen fertig ist. So perfekt schaff’ ich das meistens nicht, aber ich versuch den Haufen an Pfannen und Schüsseln, der nach dem Essen abzuwaschen ist, möglichst klein zu halten.


Hast du den perfekten Blueberry-Muffin schon gefunden?

Bis jetzt hab ich nur den fast perfekten gefunden! Letzten Sommer hab ich einige Rezepte ausprobiert, und hab auch einen Blueberry-Muffin gebacken, der bis jetzt der beste ist, den ich je gegessen habe. Aber ich finde, er ist noch nicht perfekt. Sobald die ersten Blaubeeren wieder auftauchen, werde ich mich in die Küche zurückziehen und an dem Rezept herumbasteln... denn ich glaube, es geht noch besser!

 


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im Zimmer Nr. 99 des Wiesler. Es gibt viele traditionsreiche Hotels auf der Welt. Das Wiesler gibt es seit 1909. Aber Jahreszahlen sind uns egal. Was zählt ist, wie man die Zeit verbracht hat. Das ist unsere Philosophie mitten in Graz und auch hier in diesem Blog. Im Wiesler geht es um Leidenschaft. Um Einfachheit. Um Internationalität. Und um die Liebe zum Detail. Wir wünschen einen inspirierenden Aufenthalt.

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