Datum (30.Juni.2011), Stadtleben

Die Seele einer Stadt zu erkunden braucht ganz viel Zeit und etwas Rat. Von Letzterem können wir euch hier etwas anbieten. Ersteres müsst ihr euch selbst von eurer Sanduhr abzwacken. Heute entführen wir euch auf einen kleinen Spaziergang ins Lendviertel. „Was sollte ein Grazreisender in diesem von Puffs überfluteten Schandfleck machen?“ fragten Herr Tourist und Frau Besucher vielleicht noch vor ein paar Jahren. Tja, meine Lieben: Das Blatt hat sich gewendet- aber gewaltig!
Graffiti an den Wänden, Kunst in den Köpfen. Das Lendviertel hat zwar noch immer den Touch eines billigen Einwandererviertels mit Spielhöllen und Spelunken, die ebenso am Hamburger Kiez zuhause sein könnten, allerdings sind solche Verhältnisse oft Nährböden für das junge, kreative Volk. So haben sich in den letzten Jahren sowohl Agenturen, kleine Lädchen, spezielle Cafés und Restaurants und natürlich auch Künstler (und die, die es noch werden wollen) rund um den großzügigen Lendplatz angesiedelt.

Der Platz selbst wird von Montag bis Freitag Vormittag vom Bauernmarkt zersiedelt, der umweltbewusste Grazer anlockt und auch für fotobegeisterte Besucher ein paar „Must-Clicks“ parat hat. Grazer „All-Time-Classics“ wie der Italo-Feinschmecker-Stand „Macello“ sind nur einige Schritte von der berüchtigten Scherbe oder dem sympathischen Blendend entfernt. Dort bekommt man täglich zum Beispiel genau ein Gericht. Nicht mehr, aber schon gar nicht weniger!
Das Kwirl verkauft eigene Ware gemischt mit nachhaltigen Geschenksideen aus aller Welt, zwei Häuser weiter sorgt das Tagwerk als Sozialprojekt nicht nur für beschäftigte Jugendliche, sondern auch für einen gewissen Pfiff in der Grazer Taschenwelt. Zu guter Letzt kann man sich vielleicht ja auch noch für einen Haarschnitt á la Lend entscheiden: Empfehlenswert wären da der Hausfrauenpalast in Rosa oder die Haarschneiderei im smarten 50er Look.